Wenn Schmerzen bleiben: Behandlungsfehler rund um Knie, Hüfte und Wirbelsäule
07. Februar 2026
Viele Menschen kommen zu uns, weil sie nach einer Operation etwas spüren, das schwer auszuhalten ist: Die Schmerzen sind nicht weg. Oder sie sind sogar schlimmer geworden. Manchmal kommt eine neue Einschränkung hinzu – Taubheitsgefühle, Schwäche, Unsicherheit beim Gehen. Und fast immer ist da diese Frage im Kopf: „War die Operation überhaupt richtig - oder ist etwas schiefgelaufen?“
Natürlich gibt es spektakuläre Fehlleistungen, über die man in den Medien liest. Wir können aus Erfahrung sagen: In der Realität sind die meisten Behandlungsfehler nicht so offensichtlich. Viel häufiger geht es um „leise“ Fehler: eine OP, die vielleicht zu früh kam, eine Aufklärung, die zu knapp war, oder Probleme bei Technik, Materialwahl und Nachbehandlung, die erst später sichtbar werden.
Behandlungsfehler: Was die Zahlen zeigen – und warum viele Fälle unsichtbar bleiben
Der Medizinische Dienst hat für das Gutachtenjahr 2024 in 3.301 Fällen Behandlungsfehler mit Schaden festgestellt, in 2.825 Fällen war der Fehler nach Bewertung des MD ursächlich für den Schaden. Und doch gilt: Diese Zahlen zeigen nur die Fälle, die überhaupt als Verdacht gemeldet und begutachtet werden. Der MD weist selbst darauf hin, dass es eine hohe Dunkelziffer gibt.
Die meisten Probleme beginnen früher als im OP-Saal
Gerade in der Orthopädie/Unfallchirurgie und auch im neurochirurgischen Bereich sehen wir in unserem Kanzleialltag immer wieder zwei Kernfragen:
1. War die Operation wirklich notwendig?
Wer starke Schmerzen hat, will verständlicherweise eine Lösung. Viele Patientinnen und Patienten sagen: „Ich halte das so nicht mehr aus - es muss etwas passieren.“
Das ist menschlich. Wer seit Wochen oder Monaten Schmerzen hat, schlecht schläft, kaum noch normal gehen, stehen oder sitzen kann, klammert sich an die Hoffnung, dass eine Operation endlich Erleichterung bringt. Gleichzeitig gilt: Eine Operation ist nicht automatisch die beste oder einzige Behandlung. Gerade in Orthopädie und Unfallchirurgie gibt es häufig mehrere vertretbare Wege.
Typische Situationen, die wir in der Praxis immer wieder hören:
Viele Betroffene mit Knieschmerzen berichten von belastungsabhängigen Schmerzen oder dem Gefühl, „es hakt“. Nicht selten steht dann relativ schnell eine Arthroskopie oder sogar eine Prothese im Raum, obwohl zuvor nicht immer konsequent über einen längeren Zeitraum konservativ behandelt wurde – etwa mit gezielter Physiotherapie und Muskelaufbau.
Bei Hüftbeschwerden ist es ähnlich: Leistenschmerzen und „Humpeln“ können zermürbend sein. Gerade dann muss aber besonders sorgfältig geprüft werden, ob eine Endoprothese wirklich schon der richtige Schritt ist.
Dass Operationen in Deutschland je nach Region unterschiedlich häufig empfohlen und durchgeführt werden, zeigt, dass Indikationen nicht immer nach einem einheitlichen Maßstab gestellt werden.
2. Wurden Alternativen und Risiken wirklich verständlich erklärt?
Aufklärung ist nicht bloß ein Formular. Patientinnen und Patienten sind mündig - und müssen so informiert werden, dass sie selbst abwägen können:
- Welche Diagnose liegt vor - und wie sicher ist sie?
- Welche konservativen Möglichkeiten gibt es (Physio, Schmerztherapie, Infiltrationen, Training, Geduld)?
- Welche Chancen hat eine OP im konkreten Fall - und welche Grenzen?
- Welche Risiken bestehen - auch wenn sie selten sind?
- Was bedeutet „es kann auch nicht besser werden“?
Typische Konstellationen: Knie, Hüfte, Wirbelsäule
Knie: „Die Prothese sollte helfen - aber ich komme nicht ins Gehen.“
Beim Knie erleben wir häufig Berichte über Instabilitätsgefühle („wackelig“), eingeschränkte Beugung oder anhaltende Schwellungen. Juristisch relevant wird es, wenn Fragen im Raum stehen wie:
- War die Knie-OP wirklich indiziert oder hätte konservativ behandelt werden müssen?
- Passte die Auswahl, Größe und Positionierung der Prothese?
- Wurde die Achse korrekt ausgerichtet?
- Gab es vermeidbare Komplikationen wie Infektionen oder Nervenverletzungen?
Hüfte: „Ich dachte, danach laufe ich wieder - aber ich habe weiterhin Schmerzen.“
Bei der Hüfte hören wir oft von Leistenschmerzen, Beinlängendifferenz oder Gangbildstörungen trotz Prothese. Mögliche juristische Ansatzpunkte können sein:
- Richtige Indikation (Zeitpunkt, Alternativen)
- Korrekte Prothesenwahl und Implantationsweise
- Umgang mit Komplikationen und Nachsorge
- Aufklärung über Risiken und Heilungsverlauf
Wirbelsäule/Bandscheibe: „Nach der OP ging es kurz besser – dann kam es wieder.“
Gerade bei Bandscheibenvorfällen sind Schmerzen und Einschränkungen oft enorm. Typisch sind ausstrahlende Schmerzen, Kribbeln oder Taubheit.
Medizinisch - und später auch juristisch - ist entscheidend: Muss wirklich operiert werden, und wenn ja: wann? Eine OP wird vor allem dann dringend, wenn neurologische Ausfälle vorliegen. Mit „neurologischen Ausfällen“ sind Funktionsstörungen von Nerven gemeint, zum Beispiel:
- Kraftverlust im Bein oder Arm (Fußheberschwäche, Bein knickt weg)
- Zunehmende Schwäche bis hin zu Lähmungserscheinungen
- Störungen von Blase oder Darm oder Taubheitsgefühle im Schrittbereich (sofortiges Handeln nötig!)
Was wir leider auch sehen: eine Art „OP-Schleife“. Erst eine Operation, dann bleiben Beschwerden, dann folgt der nächste Eingriff. Dies kann medizinisch notwendig sein, aber auch darauf hindeuten, dass zu früh operiert wurde oder Alternativen nicht ausgeschöpft wurden.
Wenn Sie den Verdacht haben, dass die OP nicht richtig gelaufen ist
Viele Betroffene sagen uns im Erstgespräch: „Ich will gar keinen Streit. Aber ich möchte wissen, ob das so hätte passieren dürfen.“ Wenn sich ein Fehler bestätigt, können Ansprüche bestehen – insbesondere auf Schmerzensgeld und Schadensersatz.
Wenn Sie den Verdacht haben, dass bei Ihrer OP (oder der eines Angehörigen) etwas nicht richtig gelaufen ist, schauen wir uns Ihren Fall gerne an. Senden Sie uns per E-Mail eine kurze Schilderung (wann Beschwerden begannen, welche Behandlung, wie es vorher/nachher war, welche Ärzte/Kliniken beteiligt waren).